Eigentlich wollte der Chor das Jahr mit zwei Adventskonzerten ausklingen lassen, doch nun müssen „De Fideelen Nordstrander“ ihre Konzerte absagen: Die angekündigten Auftritte morgen in Hattstedt und am 3. Dezember auf Nordstrand entfallen aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage.
Husumer Nachrichten 27. November 2021
Sorgen in Hattstedt und auf ihrer Halbinsel für vorweihnachtliche Stimmung: „De Fideelen Nordstrander“. (Foto: Hans Klein)
„De Fideelen Nordstrander“ wollen das Jahr mit zwei Adventskonzerten ausklingen lassen. Der Chor und die Musiker präsentieren Weihnachtslieder und liefern plattdeutsche, hochdeutsche und internationale Klänge. Nach dem ersten Konzert am Sonntag, 28. November, in der Marienkirche in Hattstedt (18 Uhr) folgt am Freitag, 3. Dezember, in St. Knud auf Nordstrand (Herrendeich 2) ein zweiter Auftritt ( jeweils ab 18 Uhr). Karten sind nur an der Abendkasse erhältlich, Einlass ist ab 16.30 Uhr.
Es gilt die 3 G-Regel. Dokumente sind unaufgefordert vorzulegen. Auf dem Weg zum Sitzplatz ist eine Maske zu tragen. Die Zuhörer erwartet ein abwechslungsreiches Programm. Nach dem ersten Teil mit „Wiehnacht in Freeden“ und „Wiehnacht an de Woaderkant“ setzt sich der musikalische Reigen über „Rudolf the red-nosed reindeer“ und „Halleluja“ von Leonard Cohen bis „Winterwonderland“ fort. Weihnachtsgeschichten runden das Programm ab. Die musikalische Leitung hat Peter Kallweit, die Moderation übernimmt Hans Klein.
Husumer Nachrichten 25. November 2021
(Anmerkung: Für den Einlass gilt mittlerweile die 2 G-Regel.)
Nordstrand Shantys gehören zum Kulturgut der Küste. In Nordfriesland sind sie unter anderem durch „De Fideelen Nordstrander“ bekannt. Derzeit erlebt die Shanty-Szene einen starken Zuwachs.
Als der 26-jährige Postbote Nathan Evans aus Schottland Ende Dezember seine A-Capella-Version des bekannten Seemannslieds „Wellerman“ beim Internet-Kurzvideodienst TikTok online stellte, hätte er mit Erfolg nicht gerechnet. Binnen weniger Wochen gab es dank der Duett-Funktion von TikTok weitere Fassungen. Es entstand ein virtueller Chor mit Menschen aus der ganzen Welt, die sich vorher nicht kannten und nun gemeinsam auftreten. Von der unvergleichlichen Bassstimme des amerikanischen Collegestudenten Luke Taylor über die Geigenvirtuosin Mia Asano aus den USA bis zu den irischen Stepptänzern Gardiner Brothers - sie alle singen, musizieren und tanzen plötzlich im Netz unter dem Hashtag „seashanty“ das alte Seemannslied. Und der Trend geht weiter. Immer mehr „Wellerman“-Chöre gehen online. Aktuell gibt es sogar einen Remix, der im schottischen Radio rauf und runter läuft oder online heruntergeladen werden kann.
Im Lockdown wächst die Sehnsucht nach der See
Hans Klein (78), Vorsitzender von den „Fideelen Nordstrandern“, wundert dies nicht. Gerade im Lockdown sei die Sehnsucht nach der See, die so mancher schon lange nicht gesehen hat, groß. „Ich habe das große Privileg, täglich die Weite des Horizonts zu erleben“, erzählt er. Denn was anderes bleibe ihm im Moment auch nicht übrig. „Singen in der Gemeinschaft geht ja nicht. So muss ich improvisieren. Ich spiele mir immer eine von unseren CDs vor und schmettere die Lieder mit.“ Kontakt zu den anderen 35 aktiven Sängern und sechs Musikern halte er über das Telefon und per Mail. Einen Neustart mit dem ersten Konzert nach Corona planen die Chorsänger zum 1. Mai. Denn dann wird der neue Maibaum vor der Engelmühle auf Nordstrand aufgebaut. „Wie alle anderen Shantychöre haben wir Nachwuchssorgen und suchen dringend neue Mitstreiter.“
Den neuen Trend auf TikTok sieht Klein positiv. „Wie alle anderen Shantychöre haben wir Nachwuchssorgen und suchen dringend neue Mitstreiter.“ Nur dadurch kann der seit 1979 bestehende Verein lebendig bleiben und das Kulturgut Shanty erhalten werden. Vielleicht werde durch diesen Hype so mancher auf die alten Seemannslieder wieder aufmerksam und merke, wie toll sie sind, hofft der Vorsitzende.
„Shantyman“ singt - Mannschaft antwortet
Wie ist dieser Trend zu erklären? In den Medien und in den Sozialen Netzwerken gibt es erste Versuche. So seien die einst als Arbeitslieder mit einem harten Rhythmus komponierten Lieder prädestiniert dafür, um die Homeoffice-Zeiten erträglicher zu machen und so den Lockdown durchzuhalten. Ein weiterer Erklärungsansatz sei die im Refrain des Lieds besungene Hoffnung auf bessere Zeiten. Vielleicht ist es aber auch das Singen in der Gemeinschaft, das derzeit im wahren Leben nicht möglich ist und online aerosolfrei gemacht werden kann.
Shantys wurden erstmals Mitte des 19. Jahrhundert erwähnt. Auch wenn es unterschiedliche Typen von Seemannsliedern gibt, eines haben sie alle gemeinsam: Der „Shantyman“ singt voraus und die Mannschaft antwortet. Die Lieder machten das harte Leben an Deck leichter und spornten die Männer bei ihrer schweren Arbeit, wie dem Segel hissen oder den Anker hieven, an. In ihnen drückten die Seeleute darüber hinaus ihre Hoffnungen und Wünsche aus - so auch auf bessere Zeiten.
Husumer Nachrichten 26. Januar 2021